Gesellschaft

Überall in der Gesellschaft von Ungarn wird neben der rot-weiß-grünen Landes­fahne auch die Europa-Flagge gehisst. Nach dem System­wechsel Ende der 1980er Jahre und während der 1990er Jahre unterstützte eine Zweidrittelmehrheit der ungarischen Bevölkerung die wirtschaftliche und politische Integration in Europa in der Hoffnung, der Wandel sorge in der Gesellschaft für höheren Lebensstandard. Tatsächlich haben sich in Ungarn Kommunikations-, Informations- und Verkehrs-Infrastruktur rasant entwickelt.

 

Aber nicht alle Menschen in Ungarns Gesellschaft standen nach dem System-Wechsel besser da. Gerade die Lage der im EU-Standard kaum wettbewerbsfähigen kleinen Landwirte, der gering qualifizierten Arbeitnehmer in Ungarn und der älteren Erwerbs­tätigen, der Rentner und der Bewohner ländlicher Regionen sowie der wachsenden Zahl verarmter Ungarn geben in diesem Bereich Anlass zur Sorge. Auch die Inflationsrate des Forint (HUF) - einhergehend mit dem allgemeinen Anstieg der Verbraucher- und Energiepreise - eine versteckte relativ hohe Arbeitslosigkeit, das für viele Arbeitnehmer niedrige Lohnniveau bei sinkendem Reallohn und erhöhte Steuerlasten sind Probleme, mit denen die Gesellschaft in Ungarn zu kämpfen hat.

 

Geschichten vom „ungarischen Graurind"

Das „ungarische Graurind" wird gemolken und reformiert, nur das Futter wird dürftiger. Und so gibt es zunehmend gemischte Ge­fühle in der Gesellschaft Ungarns. Eine allgemeine Lebensun­sicherheit ist bei vielen Ungarn fast zur Norm geworden. Nicht wenige, gerade aus den älteren Generationen, sehnen sich die zwar gräu­liche, aber recht vorhersehbare, sichere Zukunft unter der alten Planwirtschaft zurück. Sie haben sie als weniger materiell bestimmt in Er­innerung. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung in der ungarischen Gesellschaft rechnet nur von einem Monat zum anderen.

 

Ungarn und die Roma

Alltag in Ungarn ist auch die laut „Human Rights Report" des amerikanischen State Departments „weitverbreitete Diskriminierung gegen die Roma." Unter diese Volksgruppe fallen circa 700.000 Angehörige der ungarischen Volks­minderheit, die teils noch immer „Zigeuner" genannt wird. Sie sind in der Gesellschaft in Ungarn meist schlecht gestellt. Bei ihnen liegt die Arbeitslosigkeit bei 70 Prozent. Dazu kommt außerdem eine wesentlich schlechtere Beschulung der Kinder, von denen viele von den geringen staatlichen Sozial- und Familienhilfen sowie von Schwarzarbeit in tiefer Armut leben.

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